Mobile Jugendarbeit in Baden-Württemberg

Auch in Baden-Württemberg, einem relativ reichen Bundesland, leben viele Kinder und Jugendliche unter schwierigen Lebensbedingungen. Diese haben verschärfte Auswirkungen, weil sich Jugendliche zunehmend verschulden, einige sind von Obdachlosigkeit betroffen oder leiden unter steigender Armut und Arbeitslosigkeit. Ein großer Teil der von Mobiler Jugendarbeit begleiteten jungen Menschen ist auf eine individuelle Unterstützung und Hilfe angewiesen, da sie weder auf ein stützendes Elternhaus zurückgreifen können, noch das Vertrauen in traditionelle Institutionen der Jugendhilfe besteht. Cliquen und Szenen stellen für Jugendliche wesentliche Orte des sozialen Lernens und gegenseitiger Stabilisierung bei der Bewerkstelligung ihres Alltags dar. Zur Bewältigung der Risiken der Jugendphase benötigen zunehmend auch jüngere Jugendliche und junge Erwachsene die Unterstützung durch verlässliche erwachsene Vertrauenspersonen.

Mitarbeiter/innen aus dem Arbeitsfeld der Mobilen Jugendarbeit verfügen über örtliche Kenntnisse und Erfahrungen bezüglich der Lebenslagen junger Menschen. Die Arbeitsformen (Streetwork/aufsuchende Arbeit; individuelle Unterstützung und Beratung, Angebote für Cliquen und Gruppen; gemeinwesenorientierte Arbeit) sowie die akzeptierende Haltung der Mitarbeiter/innen der Mobilen Jugendarbeit bieten Möglichkeiten, einen tragfähigen Kontakt zu Jugendlichen, die von Ausgrenzung betroffen sind, herzustellen.

Die Mobile Jugendarbeit begleitet Jugendliche im Lebensalltag und bewahrt sie durch die unterstützende Tätigkeit vor einem tieferen Abrutschen. Wenn Jugendliche in ihren Biographien Brüche, Verletzungen und Ablehnung erfahren haben und diese negativen Prägungen gegenüber Anerkennung und einem positiven Selbstwertgefühl dominieren, brauchen sie Zeit, um ihre eigenen Werte und Wege zu finden. Mobile Jugendarbeit gibt dieser Zielgruppe die Chance, die in ihnen steckenden Fähigkeiten und Möglichkeiten (wieder) zu entdecken und sich mit den bisherigen Erfahrungen und neu dazu Gelerntem zurecht zu finden.

Diese Reintegration kann allerdings nicht alleine Aufgabe der örtlichen Jugendhilfe sein. Die Zielgruppen halten sich einerseits nicht nur in ihren örtlichen Bezügen auf, sondern wandern häufig auch in Ballungszentren ab. Auch liegt die Entstehung von Brennpunkten nicht alleine in kommunaler Hand. Daher ist Mobile Jugendarbeit nach wie vor eine Unterstützungsaufgabe des Landes, das gemäß § 82, 2 SGB VIII/KJHG i.V.m. §§ 14, 15 LKJHG Baden-Württemberg auf den gleichmäßigen Ausbau der Einrichtungen und Angebote hinzuwirken hat. Die Jugendämter benötigen die wichtige Ausgleichsfunktion durch das Land bei der Unterstützung dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen, um ihre Lebenssituationen positiv zu beeinflussen.

[Aus: "Was leistet Mobile Jugendarbeit?" Stuttgart 2011, S. 5]